Sonntag, 31. Juli 2016

Wir sind eins!

Drei Nächte länger als geplant, saß die Kenia-Reisegruppe in ihrer Unterkunft in Mitten des Nationalparks fest. Vieles war geplant, die Vorfreude war groß. Doch wie so oft, kam es ganz anders als gedacht: Das Auto strandete im Park und somit keine Safari für die Jungs, keine Gnu-Wanderung für Johannes - von der er schon vor der Abreise minutenlang geschwärmt hat. Michi freute sich besonders auf die Giraffen, Marietta wollte unbedingt Löwen sehen.

Einige Wünsche haben sich doch noch erfüllt, andere bis zum Ende nicht. Gott hat beschenkt: die Gnus kamen zum Fluss direkt vor der Unterkunft,  selbst Giraffen waren von der Veranda aus zu sehen. Größere Hütten wurden vom Personal ohne Aufpreis bereitgestellt.

Aber es gab auch viel Enttäuschung und Frust. Morgendlich wurden hoffnungsvoll Koffer gepackt - vergeblich. Zu Essen gab es viel Weißbrot, die Büsche in der Gegend waren bekannt, der Hintern tat vom Sitzen weh.

Viel Potential also, dass eine Gruppe mal an ihren Grenzen kommt. Es galt weise Entscheidungen zu treffen, einen kühlen Kopf zu bewahren und trotzdem Raum für Gefühle, Bedürfnisse und Empörung zu lassen.

In allem war Gott stets präsent. Benson, Haps, Michi, Johannes, Anna und Marietta hielten zusammen. Es war der Eine, der während alle andere die Köpfe hängen ließen, ein Loblied anstimmte, eine Andere, die die faulenzende Meute zum Sport aufraffen konnte, wieder ein Anderer, der zu beten anfing, als niemand mehr etwas zu sagen hatte. 

Geschwister gehören zusammen; Jeder für Jeden! Das zeigen die Kenia-Armbänder. Benson hat sie bei sengender Hitze im Wildpark fertigen lassen, als er getrennt von der in der Unterkunft ausharrenden Gruppe war. Man war verbunden, nicht nur durch die vom spärlichen Strom abhängige Handyverbindung. Man war verbunden, in Gedanken und Gebet.

Das Auto ist wieder heil, die Gruppe stärker als zuvor. Die Reise geht weiter.

Von Marietta

Samstag, 30. Juli 2016

Another Day in Paradise

Wenn ich mich recht erinnere ist heute Samstag. Aber ein richtiges Zeitgefühl haben wir hier schon seit Tagen nicht mehr. Noch immer hängen wir fest in unserem kleinen Paradies namens Crocodile Camp. Dem ursprünglichen Plan nach wollten wir bereits am Donnerstag nach Tinderet aufbrechen. Aber wir sind immer noch hier.
Auf der einen Seite ist uns das Camp mit seinen tollen Mitarbeitern eine Art Zuhause geworden, ja ein Zufluchtsort. Und auf der anderen Seite ist es auch irgendwie unser Gefängnis. Wir kommen nicht raus. Denn hinter dem Gate wartet die Wildnis. Einzig das nahegelegene Örtchen Talek bietet uns ein wenig Abwechslung während wir auf den erlösenden Anruf von Benson hoffen, der uns sagt, dass all das Warten endlich ein Ende hat und wir unsere Safari fortsetzen können.
Jeden Morgen sind wir voll neuer Hoffnung, dass es heute endlich weitergeht und sind enttäuscht sobald die Dunkelheit über die Masai Mara hereinbricht. Denn die Dunkelheit hindert uns am weiterkommen.
Jetzt ist es 16.30 Uhr noch 1 1/2 Stunden bis es wieder dunkel wird. Benson ist noch nicht zurück - aber er sei auf dem Weg und das Auto fahrtüchtig. Good news. Doch so richtig glauben wollen wir es noch nicht.
Ich horche auf. In der Ferne höre ich ein Motorengeräusch. Es klingt so vertraut in meinen Ohren. Ich drehe mich um und traue meinen Augen kaum - zwischen den Büschen blitzt ein beiger Landrover auf. Ich laufe den Weg hinauf, vorbei an Anna die gerade "I still haven't found what I'm looking for" von U2 hört. Als ich schließlich das gelbe Kennzeichen des Landrovers entdecke - bin ich mir sicher - das ist unser Wagen und er fährt. 'Now I have finally found what I'm looking for', sollte das Lied besser heißen. Wir stehen alle ums Auto versammelt und strahlen vor Freude. Zwar müssen wir die Weiterfahrt auf morgen früh verschieben, aber auf eine Nacht mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr an.  Wieder geht also ein Tag hier im Crocodile Camp zu Ende. 'Another Day in Paradise', denke ich und lächle in mich hinein.
Eure Michi

Freitag, 29. Juli 2016

3. Tag Gnus, Krokodile & Co. - Zoosendung Live in der Massai Mara

Wieder ist ein Tag vergangen und täglich grüßt das Murmeltier. Es kommt einem vor als seien wir hier in einer Zeitschleife gefangen. Noch einmal verlängern wir unseren Aufenthalt hier im Crocodile Camp am Talek River. Mitlerweile kennen wir hier alle Mitarbeiter und jedes Erdmänchen persönlich und doch erleben wir jeden Tag interessante Dinge. Wir hängen auf unsere Terasse  am Fluss rum und lesen uns aus unserem Kenia Report vor, diskutieren über Land und Leute und immer mal wieder ruft einer von uns "schaut mal da". Eine Herde Gnus wagt sich zum Trinken an den Fluss, keine 10 Meter von uns entfernt, ein Mitarbeiter zeigt uns ein Baby Krokodil, das sich auf einer Sandbank sonnt, zwei Giraffen stehen minutenlang wie versteinert in der Mittagassonne, es ist ihnen wohl zu heiß zum Weiterlaufen.
Wir gehen ins nahegelegene Center Talek. Es ist gnadenlos heiß und die Straßen sind leer, wir kommen uns vor wie bei High Noon als wir so mitten auf der Staße durch den Staub, der schmutzigen Stadt schlendern. Ein großes wildes Tier folgt uns. Es macht einen friedlichen Eindruck, aber so ganz sich sind wir uns da nicht. Es sieht aus wie ne Mischung zwischen Kuh, Hirsch und Pferd. In der Stadt angekommen, läuft es geradewegs in den größten Gemischtwarenladen hinein, nur noch sein Hinterteil schaut heraus. Ein Bild für die Götter. Ein Junger Mann versichert uns: "It is not harmful" das absurde Tier scheint hier jedem bekannt zu sein.
Ich wage es kaum noch Benson anzurufen, denn die Nachrichten von unset Auto sind nicht gut, doch dazu später mehr.

Landcruiser, Teil 2

... Was macht man, wenn man mitten im Nationalpark ein Ersatzteil braucht? Man bestellt es aus der etwa 5 Stunden Fahrt entfernten Hauptstadt Nairobi und zwei kompetente Mechaniker gleich dazu. Die zwei Jungs machen sich mit dem Bus auf den Weg und erreichen am späten Abend das kleine Center am Gate zum Park. Sie waren noch nie in einem Nationalpark. Nach dem sie eine Unterkunft gefunden haben, trauen sie sich nicht mehr aus dem Haus, denn man erzählt ihnen das draußen ab und zu Elefanten herumlaufen. Also gehen sie ohne Abendessen ins Bett. Am nächsten morgen besorge ich mit Benson ein Taxi und die Jungs kommen auch zum Auto in den Park. Ich selbst bleibe mit den anderen im Camp, denn ich müsste noch einmal 80€ Eintritt bezahlen. Telefonisch lasse ich mich stündlich updaten, denn der Handyempfang ist mitlerweile selbst in der Masai Mara tip top.
Wenn man kein Glück hat, kommt auch noch Pech dazu. Das Ersatzteil war nicht das richtige, es passt nicht zu unserem Baujahr. Wir sind ziemlich am Ende mit unserern Nerven, da hat die Frau des Besitzers unseres Autos die entscheidende Idee. Es fliegen täglich mehrere Flugzeuge von Nairobi in die Mara, sie bringen Touristen die keine Lust haben auf Schotterpisten und alte Landcrouiser.
Ich erkundige mich nach dem nächstgelegenen Flughafen und drei Stunden später erreicht uns das richtige Teil mit dem "Safarilink" Flugzeug. Die Mechaniker sind schwer beeindruckt und machen Selfies von sich und dem Flugzeug. Als sie dann allerdings die Achse reparieren wollen geht das nicht ohne Schweißgetät, aber auch das lässt sich besorgen. Inzwischen dämmert es schon und es wird zu gefährlich weiter an dem Auto zu arbeiten, die Mechaniker sind sowieso so ängstlich, dass sie darauf bestehen dass Benson Wache hält, während sie unterm Auto liegen und ein festsitzendes Teil erfolgreich abschweißen. Sie sind total begeistert von den Tieren und entdecken eine völlig neue Seite ihres Heimatlandes. Das Montieren der Teile muss auf den nächsten Tag verschoben werden, wir glauben fest daran das es funktionieren wird...

Donnerstag, 28. Juli 2016

Gestrandet im Paradies (Bilder)

Während die Jungs das Auto hüten, gehen die Mädels und HP unter fachmanischer Führung eines Massai auf Safari-Tour.
Babylöwen hautnah, Elefanten am Horizont, Gnu-Wanderung am Mara Fluss: Die andere Seite der Reise, für die wir sehr dankbar sind.

Bilder zu "Autos im Allgemeinen"

Von Autos im Allgemeinen und Landcruisern im Speziellen

Mit den Autos in Kenia ist das so eine Sache. Bei unserer letzten Safari konnten wir einen erschwinglichen Toyota Kleinbus ergattern, solange es nicht regnete war dieses Auto durchaus brauchbar. Dieses mal hatte ich mir gedacht, muss etwas besseres her, ein Landcruiser für stolze 75€ am Tag. Diese Geländewagen sind hier so ziemlich das Beste was man bekommen kann, also freute ich mich schon richtig, dass wir dieses mal mit einem ordentlichen Auto unterwegs sein würden. Als wir dann vom Flughafen abgeholt wurden, stand das gute Stück vor uns und sah auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus. Die erste Ernüchterung kam dann erst nach dem Einsteigen. Anschnallgurte? Ja, nur ob man die benutzen sollte? Lieber nicht, denn im Falle des Falles würde man sich damit wohl eher strangulieren als eine Verletzung zu vermeiden. Wir passten uns also schnell an die Gewohnheit hier an, die defekten Anschnallgurte nur kurz vor Policechecks anzulegen, was wiederum den Nachteil hat, dass wenn man doch mal vom Sitz abhebt, was vor allem in der letzten Reihe durchaus vorkommen kann, man tierisch aufpassen muss, dass man nicht mit dem Kopf an den nachträglich eingebauten Überrollkäfig knallt. Bei einem Überschlag würde also die Kiste relativ stabil bleiben, nur den Insassen würde das wohl wenig helfen. Egal, auch damit hat man sich schnell abgefunden.
Als wir dann zum ersten mal auf den Markt fuhren stellten wir fest: Unser Auto lässt sich ja gar nicht abschließen. Der Besitzer hatte uns den falschen Schlüssel mitgegeben. Anstatt dass wir diesen aus Nairobi holen gingen, meinte der Besitzer, wir sollen doch einfach neue Schlösser einbauen lassen, er würde das dann vom Mietpreis abziehen, ja warum auch nicht?
Das Auto erbrachte dann auch eine Woche lang das, was man von ihm erwarten kann, es brachte uns mit seiner gemütlichen 6 Zylinder Maschine und gefühlten 100 PS bei 3 Tonnen Gewicht, zuverlässig von A nach B. Kein Schlagloch und kein Policecheck konnten uns aufhalten.
Am Tag vor unserer Abfahrt von Nipe Tumaini begann der Landcruiser dann zum ersten mal ernsthaft Zicken zu machen: der Bremsdruck ließ nach. Eigentlich wollten wir am nächsten morgen früh in Richtung Masai Mara aufbrechen, aber so mussten wir erst mal den nächten Workshop in der Stadt ansteuern, Bremsflüssigkeit nachfüllen und die Bremsen neu einstellen lassen. Dazu muss man hier übrigens nicht aus dem Auto aussteigen, es wird einfach am Staßenrand aufgebockt und alle Jungs von der Werkstatt klopfen gleichzeitig mit abenteuerlichen Werkzeugen unterm Auto rum. Die Bremsflüssigkeit, muss man selbst beim Laden nebenan besorgen, die ist dann auch das teuerste an der ganzen Reperatur. Für 10€ sind wir dabei und fahren frohen Mutes weiter. Nur irgendwie beschleunigt die Karre nicht nicht mehr so richtig, also halten wir lieber mal an und sehen auch schon, dass die Bremse rechts vorne ordentlich qualmt. Da haben die Jungs die Bremsen wohl etwas zu eng eingestellt. Also anrufen und warten, warten, warten bis einer der Jungs mit dem Taxi hinterherfährt, die Bremse neu justiert und weiter geht's in Richtung Nationalpark.
Nach 2 Stunden auf Asphalt folgen noch zwei Stunden auf Waschbrettschotter, der das Auto so dermaßen durchrüttelt, dass man befürchten muss es zerfällt gleich in sämtliche Einzelteile. Doch der Toyota hält und bringt uns bis ans Gate der Mara. Dort angekommen wollen die Ranger entweder Dollar haben, oder Kenia Shilling zu einem misserablen Umrechnungskurs. Wir haben nur Shilling, sämtliche Kreditkarten funktionieren nicht, also blieb nur so lange hart zu bleiben, bis der Umrechnungskurs dann plötzlich doch ein drittel günstiger wird. Geduld zahlt sich hier immer aus!
Das Auto steht so lange vor dem Gate und als wir zurück kommen hat sich hinten links eine Pfütze gebildet. Bremsflüssigkeit was sonst. Weiterfahren in den Park ausgeschlossen. Also zurück ins nächste Center und zu den Jungs die sich hier im Busch Mechaniker schimpfen. Mehr mit Gewalt als mit Geschick zerlegen sie die komplette Bremse und stellen fest, dass eine Dichtung leckt. Dichtungsband drüber gewickelt und wieder zusamnen bauen und weiter geht die Fahrt in den grandiosen Nationalpark zu unserem Camp.
Weit sollten wir nicht kommen. Plötzlich senkt sich unser Auto hinten ab und wir kommen abprupt zum Stillstand. Das rechte Hinterrad überholt uns und rollt vor uns in den Graben. Um uns eine Herde Gnus, die uns verdutzt anschauen. Wir sitzen schockiert im Auto, keiner sagt etwas, der Motor läuft noch immer. "What a terrible Safari" entfährt es es einem von uns. Die " Mechaniker" hatten vergessen die Achse wieder festzuziehen. In Deutschland würde man für solch eine Nachlässigkeit wohl in den Knast wandern, hier sucht man sich das nächste mal einen Mechaniker mit besserem Ruf.
Wir beten für Weisheit was wir jetzt tun sollen, Safarieautos kommen uns entgegen. Alle Fahrer fragen ob wir OK sind, doch helfen kann uns zuerst keiner, denn ihre Autos sind voll. Doch dann treffen wir einen hilfsbereiten Fahrer der alle Hebel in Bewegung setzt uns zu helfen. Er bringt seine Gäste in ihr Camp und kommt dann zu uns zurück und holt uns ab. Inzwischen haben wir uns vom ersten Schock erholt, es ist dunkel geworden und wir sind froh das es so hilfsbereite Leute hier gibt und uns nichts passiert ist. Wir stellen fest das es auch Landcruiser in gutem Zustand gibt und heizen mit einem Affenzahn durch aufgescheuchte Gnuherden in die dunkle Nacht.
In unserem Camp werden wir 'Herzlich Willkommen' geheißen. Unser Fahrer möchte noch nicht mal Geld, wir geben ihm trotzdem etwas fürs Benzin, währenddessen steht unser Auto einsam in der Mara, ohne Hinterrad.
Am nächsten morgen stehen wir früh auf, wir organisieren ein Auto mit dem die Mädels und HP in den Park fahren während Benson und ich einen Mechaniker aufsuchen, "den Besten" wie uns versichert wird und mit einem uralten, wie sollte es anders sein "Landcruiser" fahren wir in den Park zu unserem Auto. Diese Version stammt wohl noch aus Kolonialzeiten. Bevor wir losfahren, müssen wir erst noch tanken, denn hier wird immer nur so viel getankt wie man für die anstehende Fahrt braucht. Am Auto angekommen stellt der Mechaniker schnell fest, das die Achse und das Kugellager kaputt sind und eine Reparatur unmöglich ist. Während dessen tropft es bedenklich aus unserem antiken Servicefahrzeug. Ich sage zunächst mal nichts und warte bis es der Mechaniker selbst bemerkt. Der Kühler ist undicht und schon komplett ausgelaufen, mitten in der trockenen Steppe. Die Jungs bekommen einen Lift zum Gate und ich bleibe bei den Autos und döse vor mich hin. Stunden vergehen in denen ich Zeit habe über die Art und Weise nachzudenken, wie man solche Probleme hier löst. Gedanklich entwerfe ich Buisnesspläne für eine Werkstatt am Gate, während eine Herde Büffel mich besuchen kommt und ich vorsichtshalber mal die Türe schließe. Ich vertreibe mir die Zeit indem ich diesen ungewöhnlichen Tag mit meiner Actioncam festhalte und übe mich in Geduld. Über mir kreisen schon die Geier, ohne Scherz!
Irgendwann schlafe ich ein und wache erst wieder auf als die Jungs mit einer kaugummiartigen Paste wieder kommen und den Kühler damit flicken. Wir kippen mein Trinkwasser in den Kühler und fahren schnell los, doch das Wasser ist nicht genug und der Kühler tropft noch immer. Wir halten an einem Tümpel, der Mechaniker verscheucht die Gnus, die hier trinken und füllt die geschöpfte Dreckbrühe in den Antiken Radiator des Landcruiseres. Wir fahren weiter, doch nach 500 m ist entgültig Schluss. Wir stellen die Kiste an den Straßenrand und warten bis uns jemand mitnimmt. Dieses mal müssen wir nicht lange warten. Ein freundlicher Massai nimmt uns in seinem nagelneuen Landcruiser mit und will noch nicht mal Geld dafür haben. Ziemlich KO erreichen wir unser Camp und bestellen uns erst einmal eine Soda. Unsere zwei, genau Landcruiser heißen die Kisten, stehen noch immer in der Mara, einer ohne Hinterrad der andere mit nem kaputten Kühler...